Sedona

Als wir spät abends ins Tal von Sedona abbogen, war ich noch skeptisch, erwartete nichts Besonderes. Um so mehr staunte ich über ein sich spontan einstellendes Empfinden von Ausgeglichenheit und innerer Kraft. Es ähnelte entfernt der Gemütsverfassung nach Kung-Fu-Übungen oder der Einnahme von Ginseng. Dieses harmonisierende Gefühl hielt die ganzen drei Tage, die wir in Sedona verbrachten, unvermindert an und schwand sehr deutlich, als wir das Tal verließen. Von uns drei Erwachsenen und zwei siebenjährigen Kindern nahm ich es als einziger ständig wahr. Den anderen allerdings gefiel Sedona so gut, daß ich mich immer noch frage, ob das allein an der schönen Landschaft gelegen haben konnte.

Der ortsansässige Autor Pete A. Sanders Jr. beschreibt in seiner Broschüre "Scientific Vortex Information" (Free Soul Publishing, Sedona) mehrere Stellen, an denen Punkte auf- und absteigender "Energieströmung" zu finden seien. Eine von ihnen ist der Boynton Canyon. Während wir immer tiefer in diese Schlucht eindrangen, versuchte ich mich jeder Wahrnehmung zu öffnen. Doch erst als ich einen Seitenpfad hineinging, fühlte ich einen zunehmenden Druck auf den Kopf, etwa wie ein Luftdruck, der seltsamerweise nur von oben wirkte. Ich legte meinen Rucksack ab und folgte dem Pfad bis zur Felswand und einer Nische mit einer alten Feuerstelle. Dabei veränderte sich das Druckgefühl nicht; es verschwand erst, als ich wieder den Hauptweg erreichte.

Wir fanden noch drei weitere Punkte, die auch meine Frau und die beiden Kinder spürten - unterschiedlich intensiv zwar, aber eindeutig. Zwei Punkte waren durch Feuerstellen markiert und einer durch radförmig angeordnete Steine. Das Maximum des Eindrucks fiel nirgends genau mit der Markierung zusammen, und einmal waren wir uns auch untereinander uneins. An seiner Deutlichkeit änderte das freilich nichts. Der Druck verursachte bei unserer Tochter und mir sogar Kopfschmerzen.

Ein Ort mit nach oben gerichteter Strömung ist der Bell Rock, ein riesiger Felsen, benannt nach seiner Glockenform. Diesmal ging ich allein auf Erkundung. Trotz einiger Steinkreise auf halber Höhe, fand ich keine speziellen Energiekonzentrationen, ausgenommen vielleicht einen - ebenfalls gekennzeichneten - Seitengipfel, auf dem sich ein in Richtung des Hauptgipfels weisender Strom bemerkbar machte. Statt dessen nahm ich das Feeling von Sedona auf dem ganzen Felsen verstärkt wahr, als eine wunderbar "leicht machende" Kraft.

Ein Stein, den ich von jenem Seitengipfel mitbrachte, bewirkt ähnlich ziehend-prickelnde Empfindungen in der Hand wie ein Orgonstrahler, nur etwas dunkler und voller: Sedona im Kleinformat.


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