Was nützt ein misslungener Versuch?

  1. Er ist ein verwirklichtes Selbstbekenntnis.
  2. Er setzt ein Zeichen für andere.
  3. Er beinhaltet eine Lehre.
Dies alles sind Aspekte unserer Werterfüllung, eben das, was mit dem Versuch erreicht werden sollte. Und wo ist hier eigentlich der Unterschied zum gelungenen Versuch?

Beide kommen nur so und so weit, bis die Erfahrung abgeschlossen beziehungsweise an ihre "Grenzen" gestoßen ist. Danach geht es anders weiter.

Der Unterschied besteht nur in der Wahrnehmung: entweder eines Zieles oder einer Vision. Eine Vision muss nicht unbedingt "erreicht" werden - sie genügt als Orientierung. Daher können wir uns auf den Weg dorthin konzentrieren und es gibt keine misslungenen Versuche.

Gelingt ein Versuch, haben wir uns der Vision zwar mehr genähert als sonst. Das ist befriedigender, da auch bloße Orientierung eine Spannung (ein Potential) aufbaut. Je kürzer aber die angepeilten Wegabschnitte sind, desto geringer ist die Spannung, und das Wohlgefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, wird fortwährend.

Natürlich gehört auch Spannung zum Leben. Nur sollten wir deren Lösung oder Nichtlösung spielerisch, sportlich auffassen. Wir nähern uns immer irgendeinem Ziel, unserem Ziel, mögen wir es klar erfasst haben oder nicht, mögen wir seiner Änderung folgen oder nicht. Bei genauerem Hinsehen ist es gerade diese Zielunschärfe oder -beweglichkeit, die uns erlaubt an einer Vision festzuhalten, ungeachtet scheinbarer Niederlagen.

Und auch diese Vision gibt es nur hier und jetzt.


Dieser Text ist ein Auszug aus meinem Buch


Wahrhaftigkeit


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