Freiheit in der Partnerschaft

Diese Freiheit bedeutet konsequenterweise, die Freiheit des anderen niemals in Frage zu stellen. Er kann tun und lassen was er will und ich auch. Wenn mein Tun für ihn schmerzlich ist, kann er entscheiden, wie er damit umgeht - und ich bin mir dieser Möglichkeiten (einschließlich einer Trennung) bewusst, bevor ich meine Entscheidung treffe.

Ich bin mir sogar unbekannter Reaktionsmöglichkeiten bewusst und akzeptiere deren Risiko - oder eben nicht. Ich kann die möglichen Schmerzen des anderen in meinen Entscheidungsprozess einbeziehen und dennoch frei entscheiden, denn ich bin zuallererst meiner Freiheit verantwortlich. Erst dann kann ich diese Freiheit auch freiwillig einschränken. (Die Tatsache frei entscheiden zu können, geht jeder abzuwägenden Alternative vor.)

Freiheit jedoch setzt Transparenz (Bewusstheit) voraus. Ist der andere nicht offen, beschneidet er meinen Entscheidungsspielraum. Sobald mir diese Beschränkung bewusst wird, treffe ich eine Entscheidung, wie ich damit umgehe (ebenfalls bis hin zur Trennung). Genauso schränkt es meine Freiheit ein, wenn ich die Motive des anderen nicht verstehe. Bei allen wichtigen Unstimmigkeiten ist deshalb das gemeinsame Erforschen der Ursachen unerlässlich. Dies vorausgesetzt, mag es dann auch eine echte "Vertragsfreiheit" geben.

Nebenbei haben wir rationale Entsprechungen zu einigen seelischen Bestandteilen von Liebe oder Zuneigung gefunden:
Seelisch
Rational
Resonanz
Verstehen
Achtung
Freiheit
Vertrauen
Offenheit

Doch kann das Seelische dem Rationalen widersprechen? Machen uns zum Beispiel gefühlte Resonanzen unfrei?

Wenn Sie über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen, wissen Sie, dass wir durchaus imstande sind, Gefühle bewusst zu steuern. Unser Geist ist der unabhängigste Aspekt der Persönlichkeit wie wir sie kennen. So können wir eine empfundene Resonanz sich einfach zur Emotion verstärken lassen oder sie vorher verstehen. Haben wir sie jedoch verstanden, können wir bewusst auf sie zurückwirken und ihren emotionalen Ausdruck formen, ohne etwas zu unterdrücken

Auch ausgebrochene und wenig verstandene Gefühlsstürme mögen wir noch regeln, indem wir:
  1. darüber klar werden, dass diese Emotionen nicht unbedingt mit ihrem Auslöser zusammenhängen, sondern ein eigener energetischer Vorgang sind,
  2. die Energie der Emotionen abatmen, loslassen, uns von ihr trennen,
  3. nun die Gründe/Anlässe für die (jetzt weniger intensive) Reaktion untersuchen und neu verstehen,
  4. den eigenen Schwerpunkt, das innere Selbst, wiederfinden,
  5. unbegründete Emotionen - falls noch vorhanden - nicht weiter beachten.
Führen wir jemanden in Versuchung, indem wir seine Resonanzen bewusst ausnutzen, übernehmen wir ungebeten eine größere Verantwortung für ihn (obschon es immer noch Mitverantwortung ist). Wenn wir dabei einigermaßen fair bleiben wollen, müssen wir ihm ein ausreichendes Maß an Entscheidungsmacht lassen, das heißt unsere eigene Versuchung bewusst einschränken. Doch wahre Freiheit beginnt, wenn wir etwas Ersehntes sogar ablehnen können, ohne daran zu leiden.


Dieser Text ist ein Auszug aus meinem Buch